Hell-sinki...
Freunde der Nacht, wie versprochen möchte ich Euch noch nachträglich an meiner letzten Reise teilhaben lassen. Schon wieder eine Reise? Nun, es ist eigentlich ganz einfach. Wenn man in Skandinavien ist (lebt) dann gibt es eigentlich nicht viel mehr zu sehen als die Hauptstädte der skandinavischen Staaten, einige sehr idyllische andere Städtchen und ansonsten noch gaaaanz viel Gegend. Da mich die bisherigen Reisen meines Lebens bereits nach Norwegen, Nordschweden, Island und Dänemark führten, fehlte mir eigentlich nur noch Finnland. Es war also bereits beschlossene Sache dass ich auch dem Osten Skandinaviens einen Besuch abstatten würde. Und eines kann ich jedem garantieren: Helsinki hat einen ganz eigenen Flair. Doch von Beginn an…… wir (das sind in diesem Fall unsere holländischen Freunde Christine und Leonie, sowie Chris und ich) sind also dem Rufen des wilden Ostens gefolgt und am Ende November nach Finnland aufgebrochen. Auf dem Plan stand eine dreitägige Tour nach Helsinki und zurück. Wir bestiegen also an einem Donnerstag vollen Mutes die erste Fähre von Stockholm nach Helsinki. Nun sollte man zum Thema Fähre folgendes hinzufügen: bei dieser Fährüberfahrt handelt es sich um eine 16stündige Seefahrt über die Ostsee, die vor allem eines ist – billig. Und das in mehrerlei Hinsicht. Zum einen hatten wir eine Kabine der Kategorie 4C gebucht. Diese nette kleine Abkürzung steht für eine Vierbett-(oder besser Pritschen)Kabine ohne Fenster auf dem tiefsten Deck, welches noch unter dem Autodeck und damit auch unter der Wasseroberfläche ist. Die Folge – kein Fenster. Zum anderen ist eine Fähre etwas, was von Schweden, Finnen, Russen, Balten und von wem auch noch alles als eine gute Gelegenheit genutzt wird, sich am bordeigenen Vorrat an steuerfreiem Alkohol gütlich zu tun. Aufgrund europäisch-nachbarschaftlicher Diplomatie möchte ich Euch aber weitere Beschreibungen unserer Mitreisenden ersparen. Bis auf eben jene Kleinigkeiten war das Ganze aber okay und wir hatten entsprechend eine ganz angenehme Zeit.
Wir betraten folglich nach einer kurzen Nacht am nächsten Morgen gegen 10Uhr finnischen Boden. Erster Eindruck – Regen. Zweiter Eindruck – verdammt, auch finnischer Regen ist nass. Und dritter Eindruck – hm…es wird wohl so schnell nicht aufhören zu regnen. Egal, wir sind ja nicht aus Watte und mit anständiger Kleidung kann man auch im Regen eine anständige Stadterkundungstour machen. Gesagt getan. Wir lieferten also unsere Klamotten in der bereits gebuchten Jugendherberge im Zentrum ab (@ Dad: unsere Zimmer in der Herberge erinnerte mich übrigens sehr an die Wohnung in der Bahnhofstrasse in Leinefelde – und sie roch auch so). Dann machten wir uns via Strassenbahn auf in die Stadt. Wenn man ein mehr oder weniger aufmerksamer Beobachter ist, merkt man dabei recht schnell, dass sich Helsinki in seiner Architektur durchaus deutlich von anderen skandinavischen Großstädten abhebt. Teilweise muss man sich doch wirklich wundern wie stark bereits der russische Einschlag dieser Stadt ist – so zumindest war mein Eindruck. Wir starteten unsere Helsinki-Erkundung in der Strassenbahnlinie T3, die mehr oder minder in einer riesigen Rundtour durch die gesamte Stadt führt. Dabei nutzt man in alter hopp-on-hopp-off die Vorteile eines Tagesfahrscheins und steigt einfach da aus wo man Lust hat. Durch diese Vorgehensweise kommt man in den Genuss solcher Sehenswürdigkeiten wie dem christlichen Dom, der orthodoxen Kirche Helsinkis (die zeitgleich die größte außerhalb Russlands ist), der alten Markthalle direkt am Hafen und der Felsenkirche (einem Kirchenbau, der in einen Felsen gehauen ist – getreu dem Motto „Aussen Fels, innen Kirche“). Um dem kalten Wetter nicht die Chance zu geben uns die nächsten 2 Wochen mit einer Erkältung zu vermiesen kehrten wir das ein oder andere Mal im nächsten Wayne’s Coffee (dem skandinavischen Coffeedealer des Vertrauens) um uns bei Latte und Sandwich zu stärken. Wir ließen den Abend dann ganz und gar nicht finnisch in einem Tex-Mex-Restaurant bei Grill Steak Grande (was in Finnland durchaus bezahlbar ist) und einem (oder zwei) Bierchen im Schotten um die Ecke ausklingen.
Der zweite Tag unseres Aufenthaltes im finnischen Kapitälchen verlief dann doch eher relaxt mit der Besichtigung des Olympiastadions von 1952, eines CD-Ladens und des Verzehrs des einen oder anderen Kaffees. Als wir gegen 16Uhr dann die Fähre zurück nach Schweden betraten, fühlten wir uns eigentlich nicht sonderlich nach Partynacht, dumm bloß dass es Samstag war und dadurch noch mehr Partyvolk an Bord war. Naja, wir haben das Beste daraus gemacht, doch ein Mittzwanziger, der hackevoll mit Hitlergruß um uns herumschwänzelte, nachdem er unsere Sprache als Deutsch identifiziert hatte, ist nun wirklich nicht leicht zu ertragen. Wir verbrachten also nicht sonderlich lange in den Vergnügungstempeln an Bord, sondern verschwanden irgendwann in unserer Kabine, die durch einen gütlichen Fehler der Fährgesellschaft dieses Mal 4 Decks höher lag und sogar ein beachtliches Fenster hatte. Wenigstens etwas.
Nun, was bleibt von diesem Ausflug in eine andere Welt? Erkenntnisse. Welche? Hm… zum einen dass Helsinki eine lohnenswerte Stadt ist, die wahrscheinlich ihren ganz eigenen Reiz so richtig zeigt, wenn es nicht 24Stunden am Stück regnet. Zum anderen, dass wir nie wieder eine solche Cruise machen werden denn (und hier möchte ich meinen Freund Chris zitieren): auf so einer Fähre liegt der durchschnittliche Intelligenzquotient ganz weit unter Zimmertemperatur (und die ist wohlgemerkt niedrig im Norden). Weiterhin bleibt die Erkenntnis, dass die finnische Sprache nicht zum lernen erfunden wurde. Verdammt man kommt einfach nicht zum Sprache sprechen, wenn man 3 Minuten braucht um ein finnisches Wort überhaupt richtig zu entziffern. Beispielsatz gefällig? Hier: Tärkeitä tapahtumia itsenäisyyden kaudella ovat olleet sisällissota, toinen maailmansota, sen jälkeinen rakennemuutos maatalousyhteiskunnasta teollistuneeksi hyvinvointivaltioksi ja Euroopan unionin jäsenyys. Und jetzt fragt bitte nicht was dieser Satz bedeutet. Verdammt, ich habe keinen blassen Schimmer!
Damit entlasse ich Euch wieder in Eure Arbeitswelten mit dem Hinweis, dass Ihr Photos wie immer auf meiner Photoseite anschauen könnt.
All I want for Christmas is a red rock and roll guitar.
C.R. Matze

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