Lappland – The final frontier
Nachdem wir bereits im August beschlossen hatten, dass wir dem nördlichsten Teil von Schweden einen Besuch abstatten werden und die ganze Sache dann im September fest gebucht hatten, ging es nun am 14. Dezember los. Wir, das sind in diesem Fall der Chris und ich, sowie weitere 7 unserer Mitbewohner aus unserem ach so geliebten Ekeby. Für Chris, Josh (unseren Australier) und mich sollte es für die längste Zeit nach Norden gehen, da wir erst am 21. Dezember zurückkehren wollten.
Gesagt, getan – wir begannen unsere Reise planmäßig am 14. Dezember um 17:45Uhr auf dem Bahnhof von Uppsala, wo wir in einen Nachtzug stiegen, der uns innerhalb der nächsten 16 Stunden direkt nach Kiruna, der Hauptstadt Lapplands bringen sollte. Nachtzug klingt zwar gut, ist aber für Studenten nur erschwinglich wenn man einen Sitzplatz in einem der Gemeinschaftswagen nimmt. Und das ist nach 16 Stunden Fahrt und ca. 1000km zurückgelegten Kilometern gar nicht mehr gut. Von nervenden Leuten auf den Nachbarsitzen mal ganz zu schweigen.
Wie dem auch sei, wir kamen also am nächsten Morgen ca. gegen 10:30Uhr in Kiruna an, welches übrigens ca. 300km nördlich des Polarkreises liegt. Und siehe da – nachdem wir in Uppsala im grauen Angesicht eines Dezembers ohne Schnee gestartet waren, hieß uns Lappland im winterlichen Weiß des vorweihnachtlichen Dezembers willkommen. Was uns dann als nächstes auffiel, war das spärliche Licht dort oben. Wir waren ja schon ein wenig Dunkelheit von Uppsala gewöhnt, aber in Kiruna sollte die Sonne nie über den Horizont steigen. Es wurde so gegen 10Uhr hell und begann bereits um 13Uhr wieder dunkel zu werden, womit es dann um 14:30Uhr auch dunkel war. Einmalig, sag ich Euch. Aber auch kein Wunder warum dort oben so viele Leute schlecht gelaunt und/oder dem Alkohol mehr oder weniger stark zugewandt sind.
Nach dem Bezug unseres Hauptquartiers, einer gemütlichen kleinen Bungalowsiedlung am Rande von Kiruna (in der wir zwei kleine Bungalows gemietet hatten), beschlossen wir dann noch am ersten Tag einen Programmpunkt unseres Reiseplans abzuarbeiten. Also nahmen wir am Nachmittag den Bus nach Jukkasjärvi um das dortige Eishotel zu begutachten. Alljährlich kommen die Schweden hier auf die Idee ein Hotel aus Eis und Schnee zu erbauen inklusiven einer Hotelbar, einer Kapelle, verschiedenen Suiten und ‚normalen’ Hotelzimmern. Halt bloß alles aus Eis und Schnee. Ganz nett anzuschauen, das geb ich zu. Dennoch wer so verrückt ist sich hier für ca. 300€ die Nacht den Hintern abzufrieren, ist selber Schuld. Wir jedenfalls machten uns nach ca. 90minütigem Aufenthalt wieder zurück in unserer eigenes beheiztes Domizil.
Eines unserer Highlights hatten wir dann bereits für den zweiten Abend gebucht – eine Tour mit dem Hundeschlitten, der eleganterweise hinter ein Gespann aus ca. 10 Huskies gespannt wird. Wer eine solche Tour schon einmal miterlebt hat weiß wovon ich rede, wenn ich sage, dass man diesen Hunden die Lust am Laufen regelrecht ansieht. Während Hund für Hund in das Führungsseil eingespannt wird, ist das Gebell von ca. 50 Huskies beinah so laut wie ein Abend bei Freibier in der Dorfkneipe um die Ecke. Sobald jedoch die Anker der Schlitten aus dem Schnee gezogen sind, die Musher ihre Kommandos zum Start gegeben haben und die Schlitten sich in Bewegung setzen, wird es still. Man hört nur noch das Gleiten der Schlitten und das Hecheln der Hunde. Und so ging es im Dunkeln unter einem Polarlichter-garnierten Sternenhimmel durch die Wälder Nordschwedens. Zwischendurch gab’s eine Pause in einem Zelt im Lappen-stil mit Lagerfeuer (was ein Luxus), frischem Kaffee und samischem Brot mit geräuchertem Rentierfleisch. Großartig!
Natürlich konnte das nicht das einzige Highlight unserer Reise bleiben und so begaben wir uns in den nächsten beiden Tagen auf um einen Eindruck vom Leben nördlich des Polarkreises zu bekommen. Am ersten Tag ging es in Richtung Norwegen und den berühmten Lofoten, Narvik und Nordmeer. Wie immer war Norwegen eine Reise wert, wenn wir auch mit konstantem Bewölkungsgrad und Schneefall nicht das optimale Wetter hatten. Am zweiten Tag ging es dann in die entgegengesetzte Richtung nach Finnland, wo wir durch einen Teil dieser grandiosen Seenlandschaft fuhren. Ich kann Euch sagen, dass diese verschneiten Wälder und gefrorenen Seen in diesem Licht eine ganz eigene magische Stimmung erzeugen. Nur die verrückten Rentiere, die auch gern mal mitten auf der Strasse vor dem Auto hin und herlaufen, stören ein bissl. Und es war kalt, wenige Millimeter kalt! Die Tiefsttemperatur, die wir mit unserem Thermometer messen durften lag bei -25,5°C. Frostig! Aber wahnsinnig klar und damit einfach zauberhaft. Und schließlich konnten wir die Kälte dann am Abend mit einer Sauna wieder aus unseren Gliedern treiben. Die letzten beiden Tage verbrachten Chris und ich zum einen mit einer Wanderung durch die tiefverschneite Umgebung Kirunas bei unglaublichen Temperaturen unter dem Nullpunkt und schließlich mit einer Tour auf Langlaufskiern.
Nun, was bleibt von dieser Reise. Ein Highlight wird mit Sicherheit in unserer Erinnerung bleiben – Polarlichter. Ich kann Euch nur raten, Euch diese Dinger mal anzuschauen, wenn Ihr die Möglichkeit dazu habt. Wir hatten das Glück ein paar wirklich gute genau über uns zu sehen. Es ist einfach atemberaubend diese Vorhänge aus wechselfarbigem Licht in ihrer unvorstellbaren Größe und Bewegung fast greifbar nahe über einem zu sehen. Ich würde fast sagen, dass dies einer der ergreifendsten und faszinierendsten Momente meines Schwedenaufenthaltes war.
Was mir nun noch bleibt ist Euch allen ans Herz zu legen ein Mal einen Fuß in die gottverlassene Gegend von Lappland zu setzen und die Weite dieses Landes zu genießen. Außerdem findet Ihr wie immer ein paar Photos dieses Trips auf der altbekannten Photoseite unter http://matthias-fromm.fotoalbum-medion.de/ .
Watch out where the huskies go and don't you eat that yellow snow!
C.R. Matze
Was mir nun noch bleibt ist Euch allen ans Herz zu legen ein Mal einen Fuß in die gottverlassene Gegend von Lappland zu setzen und die Weite dieses Landes zu genießen. Außerdem findet Ihr wie immer ein paar Photos dieses Trips auf der altbekannten Photoseite unter http://matthias-fromm.fotoalbum-medion.de/ .
Watch out where the huskies go and don't you eat that yellow snow!
C.R. Matze

3 Comments:
Wow - hört sich klasse an! Und Frank Zappa sowieso :-)
Ach ja - frohe Weihnachten & einen guten Start in 2007!
Vielen Dank, Niels!
Ich hoffe Du bist ebenso gut ins Neue Jahr gerutscht!
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